Der Pflicht nicht nachgekommen, zum Schaden des Volkes.

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Liebe Freundinnen und Freunde der und der Pressefreiheit,

es an der Zeit, ein Lebenszeichen abzugeben – aus dem Kloster heraus, das wir Alten möglichst nicht verlassen sollen, im eigenen Interesse. Wir, mit unseren vielen Vorerkrankungen, sind die am stärksten von betroffene Kohorte. „Kohorte“. Ein militärischer Ausdruck. Dabei können wir nichts anderes tun, als auf Abstand zu gehen und uns laufend die Hände zu waschen. Keine Impfung und kein Heilmittel stehen zur Verfügung, für niemanden. Bleibt nur noch die Gesichtsschutzmaske. Die ist auf normalem Wege, auf dem Markt, grundsätzlich nicht erhältlich, weder in der Apotheke noch bei Aldi, Lidl, Edeka oder Rewe. In den letzten Jahren waren im Bund Ulla Schmidt, Philipp Rösler, Daniel Bahr, Hermann Gröhe und Jens Georg Spahn für unsere Gesundheit zuständig, in waren es Ingelore Rosenkötter, Renate Jürgens-Pieper, Hermann Schulte-Sasse und Eva Quante-Brandt. Es wäre deren Pflicht gewesen, Notfallpläne erarbeiten zu lassen und Schutzkleidung bevorraten zu lassen.

Dieser Pflicht sind sie eindeutig nicht nachgekommen. Zum Schaden des Volkes.

Ja, ich weiß, ein Minister oder Senator hat nicht zu sagen. Die einzigen, die etwas zu sagen haben, sind die leitenden Beamten. Und auch die blieben untätig. Nicht nur in Bremen, nicht nur in Deutschland, nicht in Europa. Wir entnehmen Wikipedia folgende Feststellung:

„Um einer Ausbreitung in Staaten ohne leistungsfähige Gesundheitssysteme entgegenzuwirken, rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 30. Januar 2020 die internationale Gesundheitsnotlage aus. Ab dem 28. Februar 2020 schätzte die WHO in ihren Berichten das Risiko auf globaler Ebene als „sehr hoch“ ein.“

Was passierte daraufhin in der Welt, in Europa, in Deutschland und auch in Bremen? Erst einmal gar nichts. Dann wurde dilettiert, mithilfe von Wissenschaftlern als Eideshelfern.

Wir nicht minder. Wir sitzen im Wohnzimmer vor dem Fernseher und schauen uns buten binnen an und lauschen ergriffen den Ausführungen von Virologen, von deren Existenz, zumal in solchen Massen, wir bis dato höchsten ahnten. Wir lauschen zuerst skeptisch, dann immer mehr verständnisvoll nickend den Verlautbarungen der Senatorin für Gesundheit, Frau Bernhard, der Senatorin für Wirtschaft, Frau Vogt, und denen unseres Bürgermeisters, Herrn Bovenschulte. Die anderen Senatoren haben im Moment nicht viel zu sagen. Ab und zu ist der Innensenator Mäurer zu sehen und zu hören und immer wieder zwischendurch die Bildungssenatorin Frau Bogedan. Herr Mäurer macht für die Bürger, die das brauchen, den Harten. Frau Bogedan tut tatsächlich so, als hätte sie die Lage im Griff, und behauptet steif und fest: „Wir sind auf alles vorbereitet!“ So wörtlich. Obwohl ihre Behörde auf nichts vorbereitet ist. Sie vermehrt nur das Chaos. Seit Jahrzehnten. Geradezu systematisch. Frechheit siegt.

Im bremischen Öffentlichen Dienst gibt es 43.000 Beschäftigte. 28.000 Beschäftigte sind allein in der Verwaltung tätig. In keinem Ressort gibt es geordnete Verhältnisse. Man lebt von der Substanz. Was machen die denn so alle den lieben langen Tag? Einen guten Job? So hört man immer wieder. Aber keiner weiß Genaues. Geschützt vom bremischen Personalvertretungsgesetz von 1978 lebt der Öffentliche Dienst so vor sich hin. Ein Staat im Staate. Bürgermeister Sieling hat wahrlich keine Heldentaten vollbracht, aber er sorgte immerhin dafür, dass es ein Behörden-Fernsprechbuch gab, dem der Bürger entnehmen konnte, wer im Bremer Öffentlichen Dienst wofür zuständig ist und wie er zu erreichen ist. Mittlerweile ist es offiziell: das Behörden-Fernsprechbuch wird nicht wieder aufgelegt. Einen Einblick in den Haushalt des Landes und der Stadt Bremen haben wir Bürger noch nie gehabt. Wir bekommen ihn auch nicht. Man serviert uns hier und da ab und zu mal dieses und jenes kleine Häppchen. Da darf man den Verantwortlichen einmal über die Schulter schauen. Stimmt allerdings: die Nachfrage danach ist gleich null.

Auch von Seiten des Weser-Kuriers, des Weser Report, der und von Radio Bremen. Seitdem wir im Kloster leben, schauen wir häufiger denn je. Corona beherrscht den Bildschirm. Nach zwei oder dreimal Zuhören und Zuschauen sagt selbst meine ansonsten so kritische Frau: „Ich finde, die machen einen guten Job!“ Ich mag den Ausdruck nicht, ich finde ihn liebedienerisch, aber was sie sagt, das ist richtig. Allerdings nur unter einer Bedingung: Sofern wir in dem Rahmen bleiben, den uns die und die zurechtschneiden – Radio Bremen, die Moderatorin oder der Moderator und die Senatsmitglieder. In diesem Rahmen gibt es kein historisches Denken und kein Denken über den Tellerrand hinaus, kein Nachfragen aus der Perspektive des Bürgers, kein Nachhaken bei Widersprüchen und Unklarheiten, kein Weiterdenken über den Tag hinaus.

Denken heißt vergleichen. Das wird uns verboten. Wir halten uns daran. Mittlerweile glauben die meisten Bürger tatsächlich, diese Corona-Situation sei mit anderen Situationen in der Geschichte oder in aller Welt nicht zu vergleichen. Wir zeigen uns gerne „solidarisch“. Missbrauch eines edlen Wortes, eine Killerphrase. Wir sollen einfach nur gehorchen, in der Öffentlichkeit auf Abstand gehen und möglichst eine Schutzmaske tragen. Im öffentlichen Nahverkehr soll das sogar zur Pflicht werden. Und das, obwohl es selbst vier Wochen nach Beginn der Coronakrise eine Schutzmaske für den normalen Bürger nur selbstgeschneidert von der netten Nachbarin gibt.

Der Nachbarin sind wir dankbar, anstatt gegen unfähige Politik zu demonstrieren. Ach nein, das Demonstrieren ist ja jetzt genauso verboten wie am Sonntag die Heilige Messe zu besuchen. Ist das wenigstens formal rechtlich in Ordnung, hat die das abgesegnet? Sie müsste ja eigentlich täglich tagen, um die Beschlüsse des Senats, der Exekutive, als Legislative wenigstens in einfacher Lesung zu bestätigen. Aber nein, nein: die Bürgerschaft tagt seit Jahren und Jahrzehnten grundsätzlich im April nicht, wohl wegen Ostern. Davon in diesem Jahr in dieser außerordentlichen Situation eine Ausnahme zu machen, kam den Parlamentariern, geführt von ihren Fraktionsvorsitzenden und behütet vom Präsidium der Bürgerschaft, nicht in den Sinn. Nun gut: Deputationen und Ausschüsse tagen laufend real oder per Videokonferenz und beschließen real oder im Umlaufverfahren. Stadtbürgerschaft und Landtag tagten zuletzt am 25./26. März. Danach erst wieder am 12 bzw. am 13. Mai!

Damit steht unsere Bürgerschaft genauso im Abseits wie meine Heilige Römische Katholische Kirche, die widerstandslos hinnahm, dass der Besuch der Heiligen Messe verboten wird. Das gab es in der Geschichte nur höchst selten, im Krieg zum Beispiel, aber nicht einmal während des Zweiten Weltkrieges und während der Pest. Die Evangelischen sind nichts besser, sieht man von Pastor Latzel und anderen Renegaten ab. Thron und Altar funktionieren nicht mehr, verglichen mit der Nachkriegszeit unter den Bürgermeistern Wilhelm Kaisen, Willy Dehnkamp, Hans Koschnick und Klaus Wedemeier. Aber das Bündnis von Thron und Altar hält sich hartnäckig, mittlerweile erweitert um die Moslems, ideologisch von Rot-Grün-Rot abgesichert, im praktischen Alltag von der AntiFa und den Ultras zu jedermann Nutzen und Frommen vor Augen geführt.

Was tun?, fragte Lenin. Ich meine: Aushalten. Auf uns aufpassen. Mehr bleibt uns nicht.

Wann werden wir das Kloster verlassen? Das werden uns die Verantwortlichen schon sagen.

Martin Korol

Grafik: Montage